Allgemeines:

 

Mittlerweile ist das Thema "Sidemount-Rebreather" längst aus dem extremen Randbereich "Spezialausrüstung für Höhlenspinner"  herausgetreten. Es gibt diverse Hersteller und unterschiedliche Gerätetypen, die komplett tauchfertig angeboten werden. Ebenfalls gibt es von mehreren Ausbildungsorganisationen speziell auf diese Geräte abgestimmte Kursprogramme. Da wir (insbesondere Toddy) bereits seit vielen Jahren Sidemount-Rebreather verwenden, besteht ein großer Erfahrungsschatz in Umgang und Ausbildung mit diesen Geräten. An dieser Stelle möchten wir einen kleinen Überblick über unsere Sicht auf dieses Thema geben. Im Folgenden werden also zunächst allgemeine Aspekte des Sidemount-CCR-Tauchens erwähnt, verschiedene Gerätetypen in Kurzform vorgestellt um zum Schluss auf 2 Geräte näher einzugehen und das Toddy-Style Sidemount-Rebreather Konzept zu erklären.

 Warum überhaupt CCR

Die Vor-und Nachteile von geschlossenen Kreislaufgeräten (ClosedCircuitRebreather) gegenüber dem offenen System (OpenCurcuit) oder anderen halbgeschlossenen Kreislaufgeräten (SemiClosedRebreather) sind seit vielen Jahren allgemeines Diskussionsthema und es gibt dazu zahlreiche Veröffentlichungen, daher soll darauf an dieser Stelle nicht detailliert eingegangen werden. Im Folgenden werden nur kurz die für unseren Zweck wesentlichen Aspekte stichpunktartig aufgeführt.

Vorteil CCR gegenüber OC:

Nachteil CCR gegenüber OC:

Abschließend lässt sich jedenfalls sagen, dass sich der Einsatz von Kreislaufgeräten im technischen Tauchen längst etabliert hat, die aktuellen Explorationen und Penetrationstiefen z.B. im Höhlentauchen sind ohne CCR oder SCR kaum denkbar.

Und warum sidemount CCR?

Im Folgenden einige Aspekte für und wider die Verwendung eines CCR in der sidemount-Konfiguration:

Vorteil sidemount-CCR gegenüber backmount-CCR:

Nachteil sidemount-CCR gegenüber backmount-CCR:

Sidemount Rebreather - Bauweisen

Zur Einteilung und Klassifizierung  der diversen Sidemount CCR Modelle würden  sich verschiedene Merkmale eignen, in diesem Rahmen treffen wir die erste grobe Einteilung zur Definition mit Hilfe der Gasversorgung:

1. off-board-gas Geräte

Dieser Gerätetyp läßt sich dadurch definieren, dass die komplette Gasversorgung  extern/offboard erfolgen muss, da im Gerätekorpus kein Tank für die Gasversorgung enthalten ist. Die zur Gasversorgung notwendigen Tanks müssen separat mitgeführt werden und werden üblicherweise über wasserdichte Steckverbindungen angeschlossen.  Im Gerät selbst (eine mehr oder weniger geschlossene Röhre) befinden sich Gegenlunge mit Überdruckventil, Kalkbehälter (Scrubber) ,Sensorik, Elektronik und/oder Mechanik zur Gaseinspeisung sowie im Weiteren die Atemschlauchgarnitur mit verschliessbarem Mundstück (DSV).

Vorteile:

Nachteile:

Diese Bauweise wird für alle möglichen Rebreather-Typen verwendet, z.B. KISS/MCCR (sidekick, KissKat, Joki), ECCR (z.B. SF2 ), bzw. das Funktionsprinzip kann beliebig gewählt werden (GolemGear Flex, Proteus P3), PSCR (diverse Eigenbaumodelle auf Basis RB80 ).

 

2. on-board-gas Geräte

Bei diesem Gerätetyp ist die Gasversorgung des Rebreathers ganz oder teilweise im Korpus integriert. Dazu werden kleinformatige Flaschen oder kugelförmige Tanks  mit Volumen bis max. 2 L verwendet. Da diese Geräte also zusätzlich 1 oder 2 Gase im Korpus bevorraten ist der Aufbau im Innern auf maximale Platzausnutzung optimiert. Der innere Geräteaufbau ist dadurch komplizierter. Zudem müssen diese Geräte wegen Ihres höheren Eigengewichts stabil konstruiert werden. 

Vorteile:

 Nachteile:

Diese Geräte finden sich ebenfalls mit ECCR oder KISS/MCCR Funktionsprinzip (z.B. Other Gravity T-REB, Divesoft Liberty, Submatix SMS 200, diverse Eigenbauten z.B. SMIR )

 

Das Toddy-Style®-CCR-Sidemount-Konzept:

Führen wir uns nochmal die Grundgedanken des Toddy-Style® vor Augen:

 Konfiguration:

Im Toddy-Style®-Sidemountsystem wird das Kreislaufgerät auf der rechten Körperseite getragen, und wie eine Sidemount-Flasche befestigt, d.h. der Kopf wird oben in das Flaschenbungee eingeschlauft und unten in das Buttpad eingehakt.

Bei Verwendung des sidemount-CCR kann das Konzept seine ganze Flexibilität zeigen. Das Gewichtssystem auf der inneren Backplate ermöglicht eine einfache Gewichtsanpassung und eine asymmetrische Gewichtsverteilung, die eine perfekte Tarierung auch bei stark unterschiedlicher "Behängung" rechts und links ermöglicht.

Auf der linken Körperseite kann an der Backplate eine weitere kleine Flasche für Tariergas befestigt werden.

Das Handrad sollte wiederum nach aussen zeigen und die Schläuche  innen am Backplate hochführen und eng über die Schulter zu ihrem Anschlusspunkt (Trocki) führen.

 

Bailout/Diluent:

Auf der linken Körperseite wird das Diluent (gleichzeitig Bailout) in gewohnter sidemount-Weise getragen. Einziger Unterschied: ein ´zusätzlicher QC6 „male“ Stecker mit einem 60cm MD-Schlauch an der ersten Stufe zur Versorgung des CCR mit Diluent. Dieser Schlauch wird vor dem Körper durch die Schlaufe des Schrittgurtes parallel zur Gurtschnalle geführt um dann mit dem CCR verbunden zu werden. Der Schlauch liegt dadurch eng am Körper an, und lässt sich einfach vom CCR trennen.

Der Atemreglerschlauch für die OC-Versorgung bei Ausstieg aus dem Kreislauf des CCR wird wie beim OC-sidemount um den Hals gelegt und auf der rechten Körperseite mittels Toddysnap im D-Ring gesichert, und steht so jederzeit wie gewohnt mundgerecht zur Verfügung.

Die Atemschlauchgarnitur vom CCR kommt von der rechten unteren Seite unter der Schulter hervor. Das Mundstück wird an einem elastischen Halsband (Necklace) aus Bungee-Cord getragen.

Beim Wechsel auf das offene System muss also lediglich nach Schliessen des Ventils (DSV) das CCR-Mundstück ausgespuckt werden, und mit der rechten Hand das OC-Mundstück ergriffen werden.

Da keine Schläuche gekreuzt oder blockiert werden, ist auch die Abgabe des OC-Mundstückes in einer OOG-Situation an den Tauchpartner jederzeit wie gewohnt möglich.

Weitere Bailout-Gase werden wie gewohnt als sidemount-Stage geriggt und verwendet. Bei gleichzeitiger Verwendungsmöglichkeit als Diluent kann ebenfalls ein QC6 Stecken mit 60 cm -Schlauch an der ersten Stufe hinzugefügt werden. Dadurch kann jedes Gas auch an den CCR gesteckt werden um somit die Redundanz zu erhöhen.

Werden mehr als 2 Bailout-Flaschen mitgeführt, empfiehlt sich die Verwendung einer Leash und die Anwendung des „rotating-stage“ - Konzepts.

 

Um diese Konfiguration bei Verwendung des SF2 Sidemount Rebreathers zu optimieren haben wir eine spezielle Backplate entwickelt:

Die Toddy-Style® Explorer-Backplate.

Die Platte ist gegenüber einer gewöhnlichen Backplate im unteren Bereich verlängert und bietet dort durch die integrierten Bügel eine perfekte Befestigungsmöglichkeit für Flaschenkarabiner und CCR-Befestigung. Durch die Länge liegt die Platte bis in den unteren Lendenwirbelbereich auf dem Körper auf und entlastet dadurch den Rücken bei langen Tauchgängen mit entsprechenden Dekozeiten.

Durch die optimierte Geometrie der Gurtschlitze in der Platte wird zum Einen eine perfekte Führung des Harness im Schulterbereich erreicht, zum anderen bieten die Schlitze an den Seiten der Platte die Möglichkeit, kleine Flaschen direkt mittels Flaschenspanngurten fest auf die Platte zu spannen. So läßt sich das Gewicht kleinvolumiger Stahlflaschen gut in die Tarierung des Tauchers integrieren, da es gleichmäßig auf dem Rücken verteilt aufliegt. Das Gewicht der kleinen Flaschen ist andererseits gering genug, um bei Kletteraktionen nicht zu behindern. Zusätzlich lässt sich weitere Ausrüstung in der Mitte der Platte durch Gummischlaufen fixieren, hier können z.B, Kletterseile, Fotostative, oder Vermessungswerkzeug transportiert werden.

Durch die Spanngurte sind die Flaschen schnell und ohne Werkzeug auswechselbar, aber ebenfalls äußerst fest auf der Backplate fixiert.

Durch den geringen Durchmesser der Flaschen tragen sie nicht zu stark auf dem Rücken auf, um bei Engstellen zu behindern. Sollen extreme Engstellen überwunden werden, gibt es die Möglichkeit, die kleinen Rückenflaschen nicht direkt auf dem Backplate festzuspannen, sondern seitlich am Backplate mittels „Argonstraps“ zu befestigen. Dadurch bleibt das Seitenprofil noch flacher, da die Flaschen mehr an die Seite des Rückens rutschen.

Eine Standard-Backplate kann mit Argonstraps selbstverständlich ebenso verwendet werden.

Um die schnelle Wechselmöglichkeit der aussenliegenden Backplates zu ermöglichen, ohne das Harness durch die Schlitze komplett auszufädeln, bietet es sich an, im Schulterbereich jeweils eine Trennung pro Seite anzubringen, und die komplette Durchfädelung durch die Backplate durch 2 Verschraubungen zu ersetzen. Auf diese Weise lassen sich verschiedene Backplates schnell auswechseln.

Für die Versorgung des CCR mit O2 sind 2-3L gut ausreichend, und es wird durch die Rückenbefestigung vermieden, eine weitere Tauchflasche für diesen Zweck seitlich mitführen zu müssen. Dies macht die Konfiguration übersichtlich und vermindert Taskload:

rechte Seite: sidemount CCR

linke Seite: Diluent, Bailout

Harness und Wing entsprechen ansonsten der bekannten Toddy-Style® sidemount-Konfiguration, und können unverändert verwendet werden.


 

zum Video: Sidemount-Rebreather Training